Starterwochenende des Konfirmandenjahrgangs 2027 in Kirchähr
Ganz neu war die Konfirmandenfreizeit des Jahrgangs 2027 in vielerlei Hinsicht. Schon im Vorfeld gab es bei manchen der Jugendlichen ein gewisses Staunen: „Was, wir fahren schon am Anfang los?“ „Warum sind wir so viele – über 50?“ „In Kirchähr soll das sein – da waren wir ja noch nie!“ Für viele Konfirmandinnen und Konfirmanden begann die neue Konfi-Zeit also gleich mit mehreren Überraschungen. Und gerade das machte den besonderen Reiz dieses Starterwochenendes aus.

Am Donnerstag, 11. Juni 2026, ging es los. Vier Tage lang waren die Jugendlichen, die im kommenden Jahr konfirmiert werden möchten, gemeinsam unterwegs. Ziel war das Karlsheim in Kirchähr. Für viele war es der erste längere gemeinsame Aufenthalt mit der neuen Konfi-Gruppe. Und genau darum ging es: sich kennenlernen, miteinander warm werden, gemeinsam etwas erleben und erste Schritte auf dem Weg zur Konfirmation gehen.
Die Teamerinnen und Teamer sowie die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gemeinden Bad Marienberg, Kirburg und Unnau verbinden mit dem neuen Konzept große Hoffnungen. Die Konfirmandenarbeit soll stärker gemeinsam gestaltet werden. Die Jugendlichen aus den verschiedenen Orten sollen nicht erst nach und nach, sondern von Anfang an erleben: Wir gehören zusammen. Wir sind viele. Wir machen uns gemeinsam auf den Weg.
Auch für die Gemeinden selbst ist das Starterwochenende ein sichtbares Zeichen der enger werdenden Zusammenarbeit. Die Pfarrerinnen und Pfarrer Lara Schütz, Johannes Schütz, Peter Wagner und Rüdiger Stein arbeiten in Zukunft in der Konfirmandenarbeit noch stärker zusammen als bisher. So entstehen bereits jetzt gute Strukturen für die künftige Gesamtkirchengemeinde. Was organisatorisch geplant wird, bekommt hier ein lebendiges Gesicht: Jugendliche aus verschiedenen Orten erleben Kirche gemeinsam, wachsen als Gruppe zusammen und entdecken, dass Glaube nicht an der eigenen Ortsgrenze endet.

Im Rückblick waren sich die Mitarbeitenden einig: Das Konzept ist aufgegangen. „Die Dynamik war offensichtlich, die Gruppen haben besser zusammengefunden, die Lust, aktiv etwas beizutragen, ist deutlich gestiegen“, betont Pfarrerin Lara Schütz. Das war während der gesamten Freizeit spürbar. Aus vielen einzelnen Jugendlichen wurde nach und nach eine große Gruppe, in der Begegnung, Spaß, Gespräch und gemeinsames Nachdenken ihren Platz hatten.
Schon am Ankunftstag bot eine Wanderung mit dem Team durch die wunderbare Frühsommernatur Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Beim gemeinsamen Unterwegssein fallen manche Hürden leichter. Wer sich noch nicht kannte, kam ins Gespräch. Wer anfangs vielleicht noch etwas zurückhaltend war, konnte Schritt für Schritt ankommen. Die Natur, der gemeinsame Weg und die entspannte Atmosphäre halfen dabei, erste Kontakte zu knüpfen.
Der Freitag stand dann ganz im Zeichen der Erlebnispädagogik. Dekanatsjugendreferent Hieu Duong gestaltete den Tag mit seinem Team. Spielerisch sollten die Jugendlichen miteinander in Kontakt kommen, gemeinsam Aufgaben lösen und erleben: Nur zusammen kommen wir weiter. Dafür waren verschiedene Stationen vorbereitet, die Geschick, Mut, Vertrauen und Zusammenarbeit erforderten.
Eine Aufgabe lautete zum Beispiel: Wie komme ich aus einem „Hühnerstall“ wieder heraus? Natürlich nicht allein, sondern nur gemeinsam. Die Herausforderung bestand darin, als Gruppe über eine Mauer zu kommen. Schnell wurde klar: Wer nur an sich selbst denkt, kommt nicht weit. Es braucht Absprachen, gegenseitige Hilfe und die Bereitschaft, aufeinander zu achten. Mit viel Aufregung, Gelächter und Energie gingen die Mädchen und Jungen die Aufgaben an. Ganz nebenbei wuchs das Vertrauen innerhalb der Gruppe.

Ein besonderer Vorteil solcher erlebnispädagogischer Methoden ist, dass sie auch diejenigen einbeziehen, die sich in klassischen Gesprächsrunden vielleicht eher zurückhalten würden. Hier konnte jede und jeder auf eigene Weise etwas beitragen. Manche hatten gute Ideen, andere packten kräftig mit an, wieder andere halfen durch Ermutigung oder Überblick. So wurde sichtbar: Eine Gruppe lebt von unterschiedlichen Begabungen.
Die Konfis fanden die Idee eines Picknicks im Haus lustig. Der kalte Regen hatte das auf der Wiese geplante Gesprächspicknick nach innen verlegt.. Im gesamten Nachbarschaftsraum sind Jugendliche bereits vor der Konfirmation zum Abendmahl eingeladen. Aber sie sollen auch wissen, worum es dabei geht. Deshalb nahmen sich die Konfis Zeit, gemeinsam über das Abendmahl nachzudenken. Was bedeutet Brot und Wein? Warum feiern Christinnen und Christen Abendmahl? Was hat das mit Jesus, Gemeinschaft, Vergebung und Stärkung zu tun?
Auf der Wiese, mit Snacks und Getränken, war die Atmosphäre deutlich lockerer als in einem Unterrichtsraum. So fiel es leichter, Fragen zu stellen und eigene Gedanken einzubringen. Zugleich sollte das Gesprächspicknick helfen, mögliche Hemmschwellen abzubauen. Wer versteht, was beim Abendmahl geschieht, kann auch in einem regulären Gottesdienst leichter und bewusster teilnehmen. Die Rückmeldungen der Jugendlichen waren positiv. Viele fanden diese Form des Gesprächs gut und zugänglich.
Der Samstag war dann der Bibel gewidmet. Unter dem Gedanken „Ich mache mir meine Bibel ganz zu eigen“ erhielten die Konfirmandinnen und Konfirmanden eine besondere Bibelausgabe. Der Umschlag konnte selbst gestaltet werden. So wurde aus einer Bibel nicht einfach ein Buch, das man bekommt und ins Regal stellt, sondern ein persönlicher Begleiter für die Konfi-Zeit.
Mit Farbe, Kreativität und eigenen Ideen entstanden ganz unterschiedliche Umschläge. Manche waren schlicht, andere bunt, manche mit Symbolen, Mustern oder persönlichen Akzenten versehen. Nicht wenige der Jugendlichen waren sichtbar stolz auf ihr Werk. „So sieht meine Bibel aus“ – dieser Satz konnte an diesem Tag ganz wörtlich verstanden werden. Zugleich wurde deutlich: Die Bibel ist nicht irgendein altes Buch. Sie kann ein Buch werden, das mit meinem eigenen Leben zu tun hat.

Am Abend kamen Mitarbeitende des CVJM Bad Marienbergdazu und gestalteten den traditionellen Spieleabend in einer neuen und frischen Form. „Die Siedler von Catan“ wurde als großes Geländespiel angeboten. Also wieder raus, sich bewegen, gemeinsam planen, handeln, überlegen und spielen. Auch hier zeigte sich: Moderne und aktive Formen kommen bei den Jugendlichen gut an. Es braucht nicht immer klassische Methoden, damit Gemeinschaft entsteht und Inhalte lebendig werden. Bewegung, Spiel und Teamgeist gehören ebenso dazu.
Am Sonntag bildete ein gemeinsamer Gottesdienst den Abschluss des Starterwochenendes. Auch hier brachten sich die ersten Konfis bereits aktiv ein. Zwei Jugendliche hatten sich gemeldet, um den Gottesdienst musikalisch mitzugestalten. Klavier und Cajón bereicherten die festliche Atmosphäre und zeigten: Die Konfis sind nicht nur Teilnehmende, sondern können von Anfang an selbst etwas beitragen.
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand ein Abschnitt aus der Bibel: 2. Timotheus 3,14–17. Dort heißt es unter anderem: „Du aber bleibe bei dem, was du gelernt hast und was dir anvertraut ist.“ Der Text erinnert daran, dass die Heiligen Schriften Menschen unterweisen können zum Glauben an Christus Jesus. Er spricht davon, dass die Schrift nützlich ist zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung und zur Erziehung in der Gerechtigkeit.

Gerade nach dem Bibeltag am Samstag bekam dieser Abschnitt besonderes Gewicht. Eine Bibel zu besitzen ist nicht selbstverständlich. Noch weniger selbstverständlich ist es, Gottes Wort auf sich wirken zu lassen und es mit dem eigenen Leben in Verbindung zu bringen. In vielen Ländern müssen Christinnen und Christen um ihr Leben fürchten, wenn sie ihren Glauben leben wollen. Umso kostbarer ist die Freiheit, die Bibel zu lesen, Fragen zu stellen, zu zweifeln, zu glauben und gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen.
Die Bibel ist für Christinnen und Christen nicht nur ein Buch. Sie ist Gottes Wort für die Menschen. Dieser Gedanke soll im Konfi-Unterricht nach den Sommerferien weiter vertieft werden. Dabei werden auch der eigene Taufspruch und später der Konfirmationsspruch eine wichtige Rolle spielen. Beide können helfen, einen persönlichen Zugang zum Glauben zu finden und zu fragen: Welches Wort begleitet mich? Was trägt mich? Was gibt mir Orientierung?
Am Ende waren sich viele einig: Das war ein guter Start. Die Mischung aus Spaß und Tiefgang, Bewegung und Gespräch, Spiel und Gottesdienst kam gut an. Engagierte Teamerinnen und Teamer, Mitarbeitende aus CVJM und Dekanat sowie die Pfarrerinnen und Pfarrer hatten das möglich gemacht. Sie alle erhielten viel Lob und Dank.
So bleibt vom Starterwochenende in Kirchähr mehr als nur die Erinnerung an vier gemeinsame Tage. Es war ein Auftakt, der Lust gemacht hat auf das, was kommt: auf eine Konfi-Zeit mit vielen Begegnungen, Fragen, Erfahrungen und Entdeckungen. Für die Jugendlichen des Jahrgangs 2027 hat der Weg zur Konfirmation begonnen – gemeinsam, lebendig und mit einem guten Gefühl.
Text und Fotos: Lara Schütz, Redaktion: Karl Jacobi






































