„Trinitität? Trinität!“

Wie ist das mit der Dreieinigkeit zu verstehen? Wir setzen uns zu einem Gespräch zwischen Konfirmand und Pfarrerin dazu.

Jonas wartete, bis die letzten Gemeindemitglieder die Kirche verlassen hatten. Pfarrerin Wagner räumte gerade auf dem Altar auf, als er zögernd auf sie zukam, die Hände in den Hosentaschen.

„Äh… Frau Wagner?“

Sie schaute auf und lächelte. „Jonas! Du bist noch da. Alles gut?“

„Ja, also…“ Er kratzte sich am Hinterkopf. „Ich hab heute nicht wirklich viel verstanden. Was ist das eigentlich, diese… Dinität?“

„Trinität“, sagte sie freundlich, ohne ihn auszulachen. „Tri – wie drei.“ Sie deutete auf drei Kerzen am Altar. „Und das ist tatsächlich eine gute Frage. Eigentlich die schwierigste Frage der Theologie.“

„Warum betet ihr dann zu drei Göttern? Ich dachte, es gibt nur einen?“

Pfarrerin Wagner setzte sich auf die erste Kirchenbank und bedeutete ihm, sich neben sie zu setzen. „Genau das ist der Kern. Es gibt nur einen Gott – darin sind sich Christen absolut sicher. Aber dieser eine Gott begegnet uns Menschen in drei Personen. Als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist.“

Jonas runzelte die Stirn. „Das klingt wie drei verschiedene Arten.“

„Ich zeig dir mal was. Siehst du das Wasser? Nein, natürlich nicht – ich meine: Stell dir Wasser vor.“ Sie grinste. „Wasser kann flüssig sein, wenn du es trinkst. Es kann Eis sein, wenn es friert. Und es kann Dampf sein, wenn es kocht. Drei völlig verschiedene Erscheinungsformen – und doch immer dasselbe: H₂O. Immer Wasser.“

Jonas dachte einen Moment nach. „Okay… das macht irgendwie Sinn. Aber ist Gott dann auch manchmal eingefroren?“

Wagner lachte laut auf. „Nein, zum Glück nicht! Der Vergleich hinkt natürlich – alle Vergleiche für die Trinität hinken. Aber er hilft, sich dem Ganzen anzunähern.“

„Gibt’s noch einen anderen?“

„Ja, einen älteren sogar.“ Sie lehnte sich zurück. „Denk an die Sonne. Die Sonne selbst – da oben, unberührbar, riesig. Das Licht, das von ihr ausgeht und die ganze Erde erreicht. Und die Wärme, die du auf der Haut spürst, wenn du draußen stehst.“ Sie machte eine ausladende Geste. „Drei Dinge – und doch untrennbar dieselbe Sonne. Du kannst das Licht nicht von der Sonne trennen, und du kannst die Wärme nicht ohne das Licht haben.“

Jonas starrte auf das bunte Licht, das durch das Bleiglasfenster fiel. „Also… Gott der Vater ist die Sonne selbst. Jesus ist das Licht, das zu uns kommt. Und der Heilige Geist ist die Wärme, die man spürt?“

„So könnte man es sagen“, antwortete Wagner. „Jesus selbst hat gesagt: ‚Ich bin das Licht der Welt.‘ Das ist kein Zufall.“

Jonas nickte langsam. „Aber warum macht Gott das so kompliziert?“

Die Pfarrerin lächelte nachdenklich. „Vielleicht ist es nicht Gott, der es kompliziert macht – sondern wir Menschen, die versuchen, mit unserer kleinen Sprache etwas Unendliches zu beschreiben.“ Sie stand auf. „Weißt du, was Augustinus gesagt hat, einer der größten Theologen aller Zeiten? Er hat jahrelang über die Trinität nachgedacht und geschrieben – und am Ende meinte er sinngemäß: Wer denkt, er habe die Trinität verstanden, der hat etwas anderes verstanden.“

Jonas schnaufte. „Also darf man das auch einfach… nicht ganz verstehen?“

„Du darfst es glauben“, sagte sie ruhig. „Das reicht.“


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