Gemeinsam Kirche sein

Die neue Gesamtkirchengemeinde entsteht

Am 1. Januar 2027 beginnt für unsere Region ein neuer Abschnitt: Aus den Evangelischen Kirchengemeinden Bad Marienberg, Kirburg und Unnau wird die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Bad Marienberg, Kirburg, Unnau. Was dann offiziell und rechtlich in Kraft tritt, ist in den vergangenen zwei Jahren sorgfältig vorbereitet worden. Viele Gespräche, Beratungen, Verhandlungen und Begegnungen auf unterschiedlichen Ebenen waren nötig. Menschen haben miteinander gerungen, nach Lösungen gesucht, Fragen gestellt, Sorgen ausgesprochen und Perspektiven entwickelt.

Dabei ist ein gutes Ergebnis entstanden. Es ist nicht alles einfach. Es wird auch in Zukunft manches geben, das Geduld, Kraft und Vertrauen braucht. Aber schon jetzt ist zu spüren: Die Zusammenarbeit wächst. Aus drei Gemeinden wird nicht einfach eine neue Verwaltungseinheit, sondern eine Gemeinschaft, die miteinander unterwegs ist und lernen will, Kirche in unserer Region neu und gemeinsam zu gestalten.

EKHN 2030

Der Ausgangspunkt für diesen Weg war das Programm EKHN2030. Es soll Gebäude, Personal und finanzielle Ressourcen in den Regionen stärker bündeln. Für unseren Raum bedeutet das auch schmerzliche Einschnitte. Nutzungsflächen müssen erheblich reduziert werden. Auch der Verkauf von Kirchen gehört zu den Entscheidungen, die getroffen werden mussten. Das berührt viele Menschen tief. Kirchengebäude sind nicht nur Mauern, Dächer, Fenster und Bänke. Sie sind Orte, an denen gebetet, gesungen, getauft, konfirmiert, getraut und Abschied genommen wurde. Sie sind mit Lebensgeschichten verbunden. Darum ist es verständlich, wenn diese Veränderungen traurig machen oder Fragen auslösen.

Gerade deshalb ist es wichtig, ehrlich zu benennen: Von manchem Vertrauten werden wir Abschied nehmen müssen. Nicht alles kann bleiben, wie es war. Aber Abschied bedeutet nicht, dass die Geschichte zu Ende ist. Unser Glaube lebt davon, dass Gott mit seinem Volk weitergeht – auch durch Zeiten des Umbruchs hindurch. Manchmal öffnet sich der Blick für Neues erst dann, wenn wir das Alte dankbar würdigen und zugleich den Mut haben, den nächsten Schritt zu tun.

Zusammenarbeit schafft neue Möglichkeiten

Schon jetzt zeigt sich, dass die Zusammenarbeit neue Möglichkeiten eröffnet. In manchen Arbeitsfeldern kann das Angebot sogar deutlich verbessert werden. Ein besonders schönes Beispiel ist die Konfirmandenarbeit.

Schönes Beispiel: Konfirmandenarbeit

Kurz vor den Sommerferien haben die neuen Konfirmandinnen und Konfirmanden aus den drei Gemeinden eine gemeinsame Startfreizeit unternommen. Viele junge Menschen waren zusammen unterwegs, haben gespielt, gelacht, geredet, Gottesdienst gefeiert und sich kennengelernt. Für manche war es sicher ungewohnt, plötzlich mit Jugendlichen aus anderen Orten eine Gruppe zu bilden. Aber gerade darin lag eine große Chance: Die Jugendlichen konnten erleben, dass Kirche größer ist als der eigene Kirchturm und dass Gemeinschaft wächst, wenn man sich aufeinander einlässt.

In Zukunft wird im Konfirmandenunterricht noch stärker zusammengearbeitet. Das bringt ganz praktische Vorteile. Schon am Anfang entstehen mehr Wahlmöglichkeiten und vielfältigere Angebote für die jungen Leute. Gruppen können anders zusammengesetzt, Themen breiter vorbereitet und besondere Aktionen gemeinsam getragen werden. So wird aus einer notwendigen Veränderung eine echte Chance für die nächste Generation.

Neue attraktive Gottesdienste

Auch bei den Gottesdiensten ist die Zusammenarbeit längst spürbar. Seit über einem Jahr werden die Gottesdienste über die drei Gemeinden hinweg koordiniert. Dadurch können besondere Formen besser geplant und attraktiver gestaltet werden. „Kirche Kunterbunt“, Wandergottesdienste, Abendmahlsfeiern in unterschiedlicher Gestalt und andere besondere Gottesdienste werden bereits heute über Gemeindegrenzen hinweg besucht. Menschen machen sich auf den Weg, begegnen einander, entdecken andere Kirchorte und erleben: Wir gehören zusammen.

Das soll auch in Zukunft weitergehen. Natürlich ist es für viele leicht, mit dem Auto von Kirburg nach Bad Marienberg oder von Hof nach Unnau zu fahren. Für Menschen ohne Auto ist das aber nicht selbstverständlich. Deshalb wollen wir gerne Alternativen organisieren, damit niemand ausgeschlossen wird. Kirche lebt davon, dass Menschen einander mitnehmen – ganz wörtlich und im übertragenen Sinn.

Gesamtkirchenvorstand

Die größten Veränderungen betreffen zunächst die Kirchenvorstände. Am 1. Januar 2027 werden die bisherigen Kirchenvorstände zu einem gemeinsamen Gesamtkirchenvorstand zusammengeführt. Dort arbeiten 16 gewählte Mitglieder und die Pfarrer gemeinsam. Acht kommen aus Bad Marienberg, vier aus Kirburg und vier aus Unnau. Das wird besonders im ersten Jahr eine große Aufgabe. Vieles, was bisher in drei Kirchenvorständen beraten und entschieden wurde, muss nun gemeinsam geordnet werden. Zuständigkeiten, Abläufe und Gewohnheiten verändern sich. Das braucht Umsicht, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Ortsvertretung

Dabei hilft eine wichtige Übergangsregelung: Die bisherigen Kirchenvorstände bleiben bis zu den Kirchenvorstandswahlen im September 2027 in der Art einer Ortsvertretung bestehen. So geht die Erfahrung vor Ort nicht verloren. Die genaue Kenntnis der Menschen, Gebäude, Traditionen und Bedürfnisse in Bad Marienberg, Kirburg und Unnau bleibt erhalten. Der Gesamtkirchenvorstand kann Aufgaben und Ressourcen dorthin delegieren und dadurch weiterhin ortsnah und schnell reagieren. Das ist ein wichtiges Signal: Die Orte bleiben wichtig. Niemand soll das Gefühl haben, dass seine Gemeinde einfach verschwindet.

Zentrales Gemeindebüro

Auch die Verwaltung wird neu geordnet. Ab dem 1. Januar sollen alle Dienstleistungen zentral erreichbar sein. Künftig wird ein gemeinsames Büro für die Gesamtkirchengemeinde zuständig sein. Drei Mitarbeiterinnen sind dafür vorgesehen. Akten, Vorgänge, Abläufe und Zuständigkeiten werden nach und nach vereinheitlicht. Das wird Zeit brauchen. Gerade in der Verwaltung wird es Übergänge geben, in denen noch nicht alles reibungslos funktioniert. Hier werden Geduld, Freundlichkeit und Verständnis besonders wichtig sein.

Rechtlich und organisatorisch entsteht eine neue Körperschaft mit allen Rechten und Pflichten. Die neue Gesamtkirchengemeinde tritt die Rechtsnachfolge der bisherigen Gemeinden an. Es gibt künftig einen gemeinsamen Kirchenvorstand, einen Haushalt, einen Jahresabschluss, einen Anstellungsträger für das Personal und eine Grundstückseigentümerin für alle Grundstücke und Gebäude. Die Vereinigungsvereinbarung ist in Form einer Satzung festgelegt. Außerdem sind beschließende Ausschüsse möglich, an die Aufgaben delegiert werden können. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden kooperieren im Verkündigungsteam.

Gesamtkirchengemeinde ist eine geistliche Aufgabe

All das klingt zunächst sehr organisatorisch. Aber dahinter steht eine geistliche Aufgabe. Wir suchen gemeinsam nach einer Form, in der Kirche unter veränderten Bedingungen lebendig, einladend und verlässlich bleiben kann. Wir vertrauen darauf, dass Gott seine Kirche nicht verlässt. Er begleitet uns auch dort, wo Wege neu werden und Sicherheiten sich verändern.

Wir bitten alle Gemeindeglieder, diesen Weg mit Gebet, konstruktiver Kritik und geduldiger Nachsicht zu begleiten. Manches wird uns fordern. Manches wird weh tun. Aber vieles kann wachsen, wenn wir einander zuhören, einander vergeben und gemeinsam auf Christus schauen. So gehen wir nicht allein in die Zukunft, sondern als Gemeinden, die zusammenfinden – getragen von Gottes Treue und verbunden in der Hoffnung, dass er Neues unter uns wachsen lässt.

Karl Jacobi

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