Gemeindeversammlung berät über Kirchenverkauf, Gebäudeplanung und neue Gesamtkirchengemeinde
Am Donnerstag, 26. Juni 2026, kamen etwa 25 Gemeindeglieder im Evangelischen Gemeindehaus Bad Marienberg zu einer Gemeindeversammlung zusammen. Im Mittelpunkt standen wichtige Zukunftsfragen: Wie geht es mit den kirchlichen Gebäuden weiter? Welche Entscheidungen stehen in Fehl-Ritzhausen und Hof an? Und wie wird die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Bad Marienberg, Kirburg und Unnau ab dem kommenden Jahr aussehen?
Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Andrea Hoffmann, eröffnete die Versammlung und dankte den Anwesenden für ihr Kommen. Schon damit wurde deutlich: Die anstehenden Entscheidungen betreffen nicht nur Gebäude und Finanzen. Sie berühren die Geschichte der Gemeinde, persönliche Erinnerungen und die Frage, wie kirchliches Leben vor Ort in Zukunft gestaltet werden kann.

Pfarrer Karl Jacobi hielt zu Beginn eine Andacht zu Psalm 93. Darin wurde deutlich: Gott hat die Gemeinschaft der Menschen im Blick. Er weiß, was seine Gemeinde braucht. Dazu gehören Menschen, die miteinander glauben, beten, feiern und Verantwortung übernehmen. Dazu gehören aber auch Räume und Gebäude, die kirchliches Leben ermöglichen. Zugleich bleibt die Gemeinde herausgefordert, verantwortlich mit ihren Kräften und Mitteln umzugehen.
Wie geht es weiter mit unseren Gebäuden?
Im ersten Vortrag stellte Matthias Schütz, Mitglied des Kirchenvorstandes, die strukturelle Entwicklung der Region und der kirchlichen Gebäude vor. Ein historischer Rückblick machte deutlich: Viele Gebäude wurden in einer anderen Zeit errichtet. Damals waren die Zahl der Gemeindeglieder, die Beteiligung an Gottesdiensten und Veranstaltungen sowie die finanziellen Voraussetzungen anders als heute. Bis etwa 1965 nahm die Zahl der Gemeindeglieder im Westerwald noch zu. Seitdem ist sie rückläufig. Von 1980 bis heute verzeichnet die Gemeinde rund 38 Prozent weniger Gemeindeglieder. Auch die Teilnahme an regelmäßigen Gemeindeveranstaltungen ist deutlich zurückgegangen.
Diese Entwicklung betrifft nicht nur Bad Marienberg, sondern ist deutschlandweit zu beobachten. Auch mittelfristig ist keine grundlegende Umkehr dieser Entwicklung absehbar. Deshalb hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau das Programm „ekhn2030“ entwickelt. Es soll helfen, auf die veränderte Situation zu reagieren, besonders auf sinkende Einnahmen durch Kirchensteuern.
Für die Region bedeutet das mehrere Veränderungen. Ab dem 1. Januar 2027 werden sich die bisherigen Kirchengemeinden Bad Marienberg, Kirburg und Unnau zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammenschließen. Außerdem wird die Verwaltung neu organisiert. Es wird ein zentrales Büro für die neue Gesamtkirchengemeinde geben. Auch die hauptamtlichen Mitarbeitenden werden künftig stärker als gemeinsames Verkündigungsteam arbeiten.
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Gebäudeentwicklung. Die Gemeinde verfügt derzeit über mehr Gebäude und Versammlungsflächen, als langfristig getragen werden können. Allein der laufende Unterhalt der Kirchen in Fehl-Ritzhausen und Hof kostet jeweils etwa 30.000 Euro im Jahr. Insgesamt liegen die jährlichen Unterhaltungskosten für Kirchen und Gemeindehäuser der Gemeinde bei rund 160.000 Euro.

Unterschiedliche Gebäudekategorien
Die EKHN unterscheidet künftig verschiedene Gebäudekategorien. Gebäude der Kategorie A sollen langfristig erhalten bleiben und werden aus dem Haushalt der EKHN unterstützt. Dazu gehören die Kirche Bad Marienberg, ein Gemeindehaus in Bad Marienberg und die Kirche Höhn. Gebäude der Kategorie B sollen ebenfalls erhalten werden, erhalten aber nur noch Unterstützung für „Dach und Fach“, also für grundlegende Maßnahmen an der Bausubstanz. Dazu gehören unter anderem die Pfarrhäuser in Fehl-Ritzhausen und Hof. Gebäude der Kategorie C sollen dagegen aufgegeben werden. Ab dem 1. Januar 2027 erhalten sie keine Unterstützung der EKHN mehr. Dazu zählen Kirche und Gemeindehaus in Hof sowie Kirche und Gemeindehaus in Fehl-Ritzhausen.
Auch die Zukunft des Gemeindehauses Bad Marienberg wurde angesprochen. Denkbar ist entweder eine Renovierung des bestehenden Gemeindehauses oder ein Neubau an anderer Stelle, etwa als ökumenisches Gemeindehaus neben der Kirche. Eine Studierendengruppe unter Leitung von Professor Frank Fasel, Bauingenieur, erarbeitet derzeit eine Analyse der Situation und möglicher Perspektiven für das Gemeindehaus an der Kirche.

Was ist mit den Kirchen in Fehl-Ritzhausen und Hof?
Mit Blick auf die Kirchen in Fehl-Ritzhausen und Hof wurde berichtet, dass für beide Gebäude Wertgutachten vorliegen. Zudem gibt es für beide Kirchen Interessenten. Eine Entscheidung durch den Kirchenvorstand steht jedoch noch aus. Wichtig bleibt dabei: Die Kirchengemeinde wird mögliche Verkaufserlöse benötigen, um Renovierung oder Neubau in Bad Marienberg finanzieren zu können.
Drei Gemeinden werden eine
Im zweiten Vortrag stellte Rotraud Weber, Kirchenvorsteherin und Mitglied der Landessynode, die zukünftige Form der Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Bad Marienberg, Kirburg und Unnau vor. Sie zeichnete den Weg von den Beschlüssen der Landessynode über die Entscheidungen von Kirchenvorständen und Dekanatssynode bis zum aktuellen Stand nach. Beschlossen ist: Zum 1. Januar 2027 schließen sich die drei Einzelgemeinden zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammen.
Gemeinsame Interessen werden künftig in einem gemeinsamen Kirchenvorstand beraten und beschlossen. Dieses Gremium wird aus 16 Personen bestehen. Zugleich bleibt die Arbeit vor Ort wichtig. In jeder der bisherigen Kirchengemeinden soll es weiterhin ein eigenes Gremium geben: den Kirchengemeindeausschuss. Er übernimmt Aufgaben und Verantwortung vor Ort und sorgt dafür, dass der Kontakt zu den Menschen in den bisherigen Gemeinden erhalten bleibt.
Verlust und Trauer
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Veränderungen Fragen, Sorgen und auch Trauer auslösen. Zugleich wurde sichtbar, wie wichtig offene Information, Beteiligung und verantwortliche Entscheidungen sind. Die Gemeinde steht vor schwierigen, aber notwendigen Weichenstellungen.
Andrea Hoffmann schloss die Gemeindeversammlung mit einem Dank an die beiden Vortragenden und an alle, die sich an Gespräch und Diskussion beteiligt hatten. Der Abend machte deutlich: Die kommenden Entscheidungen werden nicht leicht. Aber sie werden getragen von dem gemeinsamen Wunsch, kirchliches Leben in Bad Marienberg und im Nachbarschaftsraum auch in Zukunft verlässlich, lebendig und verantwortungsvoll zu gestalten.




