Ein besonderer Tag zwischen Fragen, Abschied und Hoffnung
Die Konfirmandenzeit wird von vielen Jugendlichen als eine lebendige und abwechslungsreiche Zeit erlebt. Gemeinschaft, Gespräche über den Glauben und besondere Aktionen gehören selbstverständlich dazu. Doch zum Leben gehört nicht nur das Fröhliche und Unbeschwerte. Auch Sterben, Tod und Abschied sind Teil unseres Lebens. Deshalb machten sich die beiden Konfirmandengruppen aus Fehl-Ritzhausen und Bad Marienberg am 17. März 2026 auf eine besondere ganztägige Fahrt. Auf dem Programm standen der Besuch eines Bestattungsinstituts, eines Krematoriums und eines Hospizes. Ziel des Tages war es, sich offen und ehrlich mit dem Ende des Lebens zu beschäftigen – und dabei auch zu entdecken, wie viel Würde, Fürsorge und Hoffnung in diesem sensiblen Bereich steckt.
Die erste Station war das Bestattungsinstitut Rompf, wo Tobias Rompf die Gruppe empfing. In ruhiger und einfühlsamer Weise erklärte er, wie ein Bestatter Menschen begleitet, wenn ein Angehöriger gestorben ist. Schnell zeigte sich, dass das Thema die Jugendlichen sehr bewegte. Viele Fragen wurden gestellt, und Tobias Rompf nahm sich Zeit, jede einzelne geduldig zu beantworten. Er erklärte, welche Schritte nach einem Todesfall notwendig sind und wie Familien dabei unterstützt werden, in Würde Abschied zu nehmen.
Besonders interessant war für die Konfirmanden zu sehen, welche Möglichkeiten es bei einer Bestattung gibt. Unterschiedliche Särge standen zur Auswahl, und die Jugendlichen wollten genau wissen, worin sich die Modelle unterscheiden. Auch das Thema Urnen und Feuerbestattung wurde ausführlich erklärt. In der hauseigenen Sargtischlerei konnten die Jugendlichen beobachten, wie aus einfachen Holzbrettern ein fertiger Sarg entsteht. Mit großem Staunen verfolgten sie die einzelnen Arbeitsschritte. Einige Mutige wagten sogar den Selbstversuch und legten sich probeweise in einen Sarg – ein Moment, der zugleich nachdenklich und beeindruckend war.
Auch die Vorbereitung eines Verstorbenen wurde erklärt. Tobias Rompf schilderte, wie viel Sorgfalt und Respekt notwendig sind, damit Angehörige noch einmal in Ruhe Abschied nehmen können. Dass ein leerer Sarg gar nicht so schwer ist, stellten die Jugendlichen fest, als sie gemeinsam einen aus der Lagerhalle zum Leichenwagen trugen. „Jetzt ist er noch leicht, das ändert sich aber, wenn eine verstorbene Person darin liegt“, sagte Tobias Rompf mit einem leichten Schmunzeln – ein Satz, der die Realität des Themas auf sehr direkte Weise deutlich machte.
Nach einer etwa halbstündigen Busfahrt erreichte die Gruppe das Krematorium Siegen. Dort wurde sie von Jan Kniep begrüßt, der die Philosophie des Hauses erklärte. Im Mittelpunkt stehe immer die Frage, ob alle Abläufe einen Abschied in Würde ermöglichen. Das Krematorium liegt ruhig, umgeben von Hügeln und viel Grün. Diese Umgebung soll den Angehörigen helfen, in einer schweren Situation zur Ruhe zu kommen.
Die Jugendlichen erfuhren, dass es im Krematorium verschiedene Möglichkeiten gibt, Abschied zu nehmen. Trauerfeiern, Aufbahrungen oder auch die Teilnahme an einer Feuerbestattung können individuell gestaltet werden. Für einige war es ein ungewohntes Gefühl, als sie zum ersten Mal eine Aschekapsel in der Hand hielten. Dabei wurde auch erklärt, dass strenge Umweltschutzbestimmungen sicherstellen, dass Urnen die Natur nicht belasten, zum Beispiel bei einer Beisetzung im Friedwald. Viele hörten zum ersten Mal, dass aus der Asche eines Verstorbenen sogar Schmuckstücke angefertigt werden können.
Ein Blick in den großen, hellen Raum für Abschiedsfeiern zeigte, wie viel Wert auf eine würdige Atmosphäre gelegt wird. Besonders beeindruckend war für die Gruppe der Blick hinter die Kulissen. Der Maschinenraum war blitzsauber und zeigte, wie sorgfältig und respektvoll mit den sterblichen Überresten umgegangen wird. Für viele Konfirmanden war dieser Besuch zunächst ungewohnt, aber zugleich sehr interessant und lehrreich.
Nach so vielen Eindrücken tat eine Pause gut. Ein kurzer Abstecher zur Autobahnkirche Wilnsdorf bot Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und die Gedanken zu sammeln. Anschließend wurde in einem nahegelegenen Restaurant gemeinsam gegessen, bevor es zur letzten Station des Tages ging.
Am Nachmittag besuchte die Gruppe das Marienhospiz Siegen. Wie in den vergangenen Jahren nahmen Hospizleiterin Juliane Schneider und eine Kollegin die Jugendlichen in Empfang. Sie führten die Gruppe durch das Haus und erklärten, wie Menschen dort ihre letzten Lebenstage verbringen. Im Mittelpunkt steht im Hospiz immer der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Erfahrungen und Wünschen.
Die Konfirmanden sahen die acht ebenerdigen Zimmer mit jeweils eigener Terrasse sowie zwei Gästezimmer für Angehörige. Jedes Zimmer ist barrierefrei und mit einer eigenen Nasszelle ausgestattet. Zusätzlich gibt es ein großes Badezimmer mit behindertengerechter Badewanne. Der offene Küchen- und Essbereich wird von Bewohnern und Besuchern gern genutzt, um gemeinsam Zeit zu verbringen.
Ein wichtiges Leitwort im Hospiz lautet:
„Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“
Dieses Wort der Hospizbewegung beschreibt, worum es in der Begleitung sterbender Menschen geht. Juliane Schneider erklärte, dass heute viele Möglichkeiten bestehen, Schmerzen zu lindern. Gleichzeitig gehe es darum, dem ganzen Menschen und auch seinen Angehörigen eine gute Zeit zu ermöglichen. Deshalb werden im Hospiz auch Feste gefeiert, wenn Bewohner es wünschen.
Die Jugendlichen waren beeindruckt von dem weitläufigen Gelände mit vielen Möglichkeiten, draußen in der Natur zu sein. Auch die Kapelle und der Andachtsraum werden gern genutzt, um zur Ruhe zu kommen und über das Leben nachzudenken.
Am Ende des Tages waren sich viele einig, dass diese Fahrt ein besonderer Höhepunkt der Konfirmandenzeit war. „Ich hatte vorher ein bisschen Angst vor diesem Tag, aber jetzt bin ich froh, dass ich dabei war“, sagte ein Konfirmand. „Vieles war für mich neu, und ich werde noch lange darüber nachdenken.“ Ein anderer meinte sogar: „Ich könnte mir vorstellen, später einmal ein Praktikum bei einem Bestattungsinstitut zu machen.“
Die Konfirmandenfahrt „zum Ende des Lebens“ hat gezeigt, dass auch schwere Themen ihren Platz im Glauben haben. Sie hat Mut gemacht, Fragen zu stellen, genau hinzuschauen und zu entdecken, dass selbst am Ende des Lebens Würde, Hoffnung und Gottes Begleitung spürbar bleiben.
































