Tolles neues Konfikonzept macht Spaß

Wie Lara und Johannes Schütz Konfirmandenarbeit neu denken

Seit gut einem Jahr sind Lara Schütz und Johannes Schütz als neue Pfarrerinnen und Pfarrer in Unnau und Bad Marienberg tätig. Mit ihnen ist nicht nur frischer Wind in die Gemeinden gekommen, sondern auch ein neues Konfirmandenkonzept, das bereits nach einem Dreivierteljahr erste Erfahrungen, Rückmeldungen und Erfolge vorweisen kann. Im Gespräch mit Karl Jacobi berichten die beiden, was sie geprägt hat, was sie verändert haben und was ihnen für die Jugendlichen besonders am Herzen liegt.

Eigene Erfahrungen als Fundament

Der Blick zurück zeigt: Die eigene Konfirmandenzeit hat bei beiden Spuren hinterlassen. Lara Schütz erinnert sich an eine gute, vor allem gemeinschaftlich geprägte Zeit. „Wir haben uns jede Woche getroffen, waren mit Freunden zusammen und hatten eine feste Kontinuität“, erzählt sie. Besonders berührend sei für sie ihre Konfirmation gewesen. Auch wenn sie keine Konfirmandenfreizeit erlebt habe – „das bricht mir bis heute ein bisschen das Herz“ –, habe sie damals viel über den Glauben gelernt. Das Wichtigste sei jedoch die Gemeinschaft gewesen: das Gefühl, miteinander unterwegs zu sein und Glauben gemeinsam zu entdecken.

Johannes Schütz blickt auf eine sehr prägende Zeit zurück. In Kirburg traf er im Konfirmandenunterricht viele Menschen aus seiner Grundschulzeit wieder. Für ihn war der Konfi-Kurs zudem eine bewusste Entscheidung: Er war nicht getauft und kam aus einer Familie mit freikirchlichem Hintergrund. Der Unterricht wurde für ihn zu einem Gegenpol zu schwierigen Schulerfahrungen, die von Mobbing geprägt waren. „Im Konfi-Unterricht habe ich Annahme erlebt“, sagt er. Dort habe er gespürt: Ich bin willkommen, ich darf sein, wer ich bin. Diese Erfahrung, in Jesus angenommen zu sein, prägt bis heute seine Arbeit – und genau das möchte er auch den heutigen Konfirmandinnen und Konfirmanden mitgeben.

Ein neues Konzept mit vertrauter Basis

Das neue Konfirmandenkonzept baut auf einem Jahr Unterricht auf, verändert jedoch den Rhythmus und die Schwerpunkte. Zunächst gibt es die Treffen am Dienstagnachmittag. Immer wieder gibt es auch Samstageinheiten. Während unter der Woche nur anderthalb Stunden zur Verfügung stehen, ermöglichen die Samstage mit rund sechs Stunden intensivere Zeit. „Da können wir wirklich miteinander arbeiten, essen, reden und Gemeinschaft erleben“, erklärt Lara Schütz.

Gemeinsame Mahlzeiten spielen dabei eine wichtige Rolle: Pizza backen, Gemüse schnippeln oder füreinander kochen gehören fest dazu. Diese Zeit ist bewusst eingeplant – nicht nur als Pause, sondern als Teil des Lernens. Denn Glaube, so das Verständnis der beiden Pfarrer, entsteht nicht nur im Gespräch, sondern auch im gemeinsamen Tun.

Gemeinschaft erleben – auch auf Freizeiten

Ein zentraler Baustein des Konzepts sind die Freizeiten. Gleich zu Beginn und gegen Ende der Konfirmandenzeit stehen gemeinsame Fahrten auf dem Programm. Sie bieten Raum zum Kennenlernen, zum Austausch und für intensive Gespräche. Die erste Freizeit führte die Gruppe ins Kloster Höchst. Mit dabei waren zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeitende aus CVJM und Jugendkreisen der Region.

Insgesamt 32 Konfirmandinnen und Konfirmanden nahmen teil – eine große Gruppe, die dennoch überschaubar blieb, weil viele Mitarbeitende eingebunden waren. Für Lara und Johannes Schütz ist das ein entscheidender Punkt: Jugendliche sollen früh erleben, dass Kirche mehr ist als der Pfarrer oder die Pfarrerin – nämlich eine lebendige Gemeinschaft mit vielen engagierten Menschen und Angeboten.

Um die Gemeinde besser kennen zu lernen, nehme die jungen Leute am Gemeindepraktikum teil. Sie besuchen mindestens zwei Gemeindegruppen und arbeiten darin mit. Das hilft Ihnen, einen attraktiven Platz für sich in ihrer Gemeinde zu finden.

Glaube denken und fühlen

Was ist die „durchgehende Linie“ des neuen Konfi-Kurses? Johannes Schütz fasst es in zwei Punkten zusammen: Mündigkeit und Entscheidung. Die Konfirmanden sollen die Zeit nutzen, um sich ernsthaft mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen und am Ende eine eigene, freie Entscheidung zu treffen. Konfirmation bedeutet schließlich auch volle Mitgliedschaft in der Kirche – mit Rechten und Verantwortung.

Lara Schütz ergänzt: Neben der Religionsmündigkeit geht es auch darum, Fragen zuzulassen und Glauben kritisch zu durchdenken. So beschäftigen sich die Jugendlichen beispielsweise mit Argumenten für die Auferstehung Jesu. Gleichzeitig soll der Glaube das Herz erreichen. „Du darfst sein, wie du bist, und du bist von Gott geliebt“ – diese Botschaft soll im Unterricht spürbar werden, durch Atmosphäre, Umgang miteinander und konkrete Erfahrungen.

Ein Beispiel, das viele Konfis besonders beeindruckt, ist das Argument der Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung. In einer antiken Gesellschaft, in der Frauen kaum als glaubwürdige Zeugen galten, wäre diese Erzählung kaum erfunden worden. Für viele Jugendliche ist das ein überraschender, einleuchtender Gedanke – und ein Moment, in dem Glauben plötzlich „Hand und Fuß“ bekommt.

Blick nach vorn

Der erste Jahrgang steuert nun auf die Konfirmation zu, doch die Planungen für den nächsten Kurs laufen bereits. Eine Idee: den Beginn jeder Stunde bewusster zu gestalten – mit einem Ritual des Ankommens. „Die Jugendlichen kommen direkt aus der Schule, mit ganz unterschiedlichen Gefühlen“, sagt Lara Schütz. Dafür soll künftig mehr Raum sein.

Johannes Schütz hofft zudem, dass ehemalige Konfis als Teamer dazukommen. Jugendliche, die selbst erst kurz dabei waren, könnten eine wertvolle Brücke bilden – näher dran an der Lebenswelt der Jüngeren, mit offenem Ohr und frischem Blick.

Am Ende sind sich beide einig: Der Konfi-Kurs ist ein Gewinn. Für Lara Schütz, weil Jugendliche Gemeinschaft erleben und Gott kennenlernen können. Für Johannes Schütz, weil dort Spaß, Tiefe und die Einladung zu einer persönlichen Beziehung zu Jesus zusammenkommen. Ein Jahr neuer Konfi-Weg – und viele Schritte, die noch folgen werden.

Karl Jacobi

Das ganze Interview mit noch mehr interessanten Informationen gibts hier.

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