Beim Jahresmediengespräch der Evangelischen Kirche von Westfalen kündigte Präses Adelheid Ruck-Schröder an, dass die westfälische Synode auf ihrer Herbsttagung vom 22. bis 25. November in Bielefeld über Richtlinien zum Umgang mit der AfD beraten werde. Ihrer Ansicht nach dürfen AfD-Mandatsträger keine kirchlichen Leitungsämter übernehmen.
Dazu ein Pro und Kontra
| Pro Matthias Bilger ist Pfarrer für die Evangelischen Kirchengemeinden Westheim und Rieden (Baden-Württemberg) | Kontra Adelheid Ruck-Schröder ist promovierte Theologin und Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen |
| Was motiviert Menschen, sich trotz drohender gesellschaftlicher Ächtung für die AfD zu engagieren? Bei vielen dürfte es die ernste Sorge um die Zukunft dieses Landes sein. Führt die ungeregelte Masseneinwanderung zu Zuständen wie in Frankreich oder gar zum Ende der Religionsfreiheit wie in nahezu allen islamisch geprägten Ländern dieser Erde? Hinterlassen wir unseren Kindern ein Land ohne ökonomische Perspektiven? Bis heute tun weite Teile der großen Kirchen so, als handele es sich bei diesen Zukunftsängsten um rechte Hirngespinste oder Verschwörungstheorien. Nun sollen AfD-Mandatsträger von kirchlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Dahinter liegt das berechtigte Anliegen, die Fehler des „Dritten Reiches“ nicht zu wiederholen. Doch handelt es sich bei der AfD wirklich um die zurückgekehrte NSDAP oder nicht vielmehr um eine rechtspopulistische Gegenbewegung wie in allen anderen westlichen Ländern? Der Historiker Andreas Rödder plädiert im politischen Bereich für „rote Linien“ statt einer „Brand mauer“. Auf die Kirche bezogen könnte das bedeuten: Ein kirchliches Amt darf nicht übernehmen, wer die Zugehörigkeit zum deutschen Volk für wichtiger hält als die Einheit, die Christus über alle menschlichen Unter schiede hinaus stiftet. Unvereinbar mit kirchlichen Ämtern sind freilich auch Vernichtungsfantasien gegenüber Israel und die Meinung, ungeborenem Leben stehe keine eigene Würde zu. Auf der linken Seite ist der Protestantismus ziemlich geschmeidig und stört sich kaum daran, wenn ein Pfarrer für die Linke in den Landtag will. Auf der rechten Seite will man ganz konsequent sein. Wann kommen biblische Kriterien zurück in die Debatte? | Nein. Die AfD gibt Rechtsextremen Heimat und Posten. Ihre Vertreter rühmen sich, „das freundliche Gesicht des NS“ zu sein. Sie fordern „Alles für Deutschland“. Sie bezeichnen Migranten als „Viecher“ und möchten „das Pack zurück nach Afrika prügeln“. Sie halten es für ein „Problem, Hitler als absolut böse darzustellen“. Sie nennen die NS-Zeit einen „Vogelschiss“ und kündigen an, aufzuräumen und Menschen zu „entsorgen“, wenn sie an der Macht sind. Dies alles verhöhnt Nächstenliebe und Gottebenbildlichkeit aller Menschen. Die AfD schürt Antisemitismus. Sie kündigt der Diakonie und dem Subsidiaritätsprinzip den Kampf an und will dementsprechend Gelder für Beratungsstellen und diakonische Arbeit streichen. Menschen mit Behinderungen und ihre Familien machen sich deswegen schon jetzt große Sorgen. AfD-Mandatsträger stehen mit ihrem Namen für die kirchenfeindliche Programmatik der AfD. Wie soll das zusammengehen: Jemand erhebt seine Stimme für diese Partei im Stadtrat und leitet zugleich als Presbyterin die Kirchengemeinde oder predigt als Prädikant im Gottesdienst? Kirche macht sich unglaubwürdig, wenn sie das zulässt. Sie gefährdet ihre ureigenen christlichen Anliegen. Wir haben die Pflicht, Menschen zu schützen, die zu uns gehören oder bei uns Hilfe suchen und gleichzeitig ins Beuteschema der menschenfeindlichen Ideologie passen. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts steht Kirche außerdem zu demokratischen Grundprinzipien. Seelsorge, Bildungsangebote, Beratung, Beichte sowie Begleitung in persönlichen Lebenslagen stehen AfD-Mandatsträgern offen. Kirchliche Ämter nicht. |
Quelle: IDEA Magazin 45 / 2026



