Bürgermeister und Pfarrer gemeinsam im Gottesdienst
Am 8. Februar 2026 wurde in der Evangelischen Kirche in Bad Marienberg ein besonderer Abendgottesdienst gefeiert: Bürgermeister Marvin Kraus und Pfarrer Karl Jacobi gestalteten gemeinsam einen Dialoggottesdienst, der Glaube und Politik miteinander ins Gespräch brachte.
Schon die Liturgie übernahmen beide gemeinsam. Diese sichtbare Zusammenarbeit machte deutlich, worum es an diesem Abend ging: um das Miteinander von Kirche und kommunaler Verantwortung. Im Mittelpunkt stand eine Dialogpredigt, in der Pfarrer und Bürgermeister offen über das Verhältnis von christlichem Glauben und politischem Handeln sprachen.
„Wo kommen Sie denn her?“, fragte Pfarrer Jacobi mit Blick auf die Wurzeln des neugewählten Verbandsgemeindebürgermeisters. Marvin Kraus erzählte von seiner Jugend im Westerwald, von den Abenteuern einer kleinen Jugendbande und von prägenden Erfahrungen in der Region. Besonders der Konfirmandenunterricht und zahlreiche kirchliche Veranstaltungen hätten ihm früh gezeigt, wie eng sein sozialer Anspruch mit der Botschaft der Bibel verbunden sei. Die christliche Tradition des Landes sei für ihn bis heute eine wichtige Quelle.
Auf die Frage nach der Vereinbarkeit von Politik und Bergpredigt antwortete Kraus offen: „Kommunalpolitik ist anders.“ Während er in anderen politischen Feldern durchaus das Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ erlebt habe, stehe in der Verbandsgemeinde das konstruktive Miteinander über Parteigrenzen hinweg im Vordergrund. Es gehe um konkrete Lösungen für die Menschen vor Ort. Dazu gehöre auch, einander zu verzeihen und Schritte der Versöhnung zu gehen – um des Wohls der Gemeinschaft willen.
Im gemeinsam gestalteten Fürbittengebet brachten beide ihre Sorgen vor Gott: die Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft sowie die wachsende Gewalt unter Jugendlichen. Deutlich wurde, dass politische Verantwortung und geistliche Begleitung einander ergänzen können.
Zum Abschluss überreichte Pfarrer Jacobi dem Bürgermeister ein Kreuz für sein Amtszimmer und eine Bibel zum gesegneten Gebrauch – als Zeichen dafür, dass Gottes Wort und christliche Hoffnung auch im politischen Alltag Orientierung schenken.
Text: Karl Jacobi
Foto: Karl-Heinz Schell




