Stolz und Eitelkeit

Die erste der sieben Hauptsünden

Ich sehe mich an. Aber ich sehe nur einen Teil von mir.
Ich sehe, was ich sehen will. Und ich entscheide, was das ist.
Ich bin mein eigener Richter – und lasse mir nur ungern hineinreden.

So funktionieren Stolz und Eitelkeit. Er ist nicht nur das laute „Ich bin besser als die anderen“. Manchmal ist er viel subtiler. Stolz heißt: keinen anderen Blick zuzulassen. Weder den von Freunden noch den von Gott.

Stolz kann bedeuten, dass ich mich zu hoch einschätze. Dass ich meine Stärken groß mache und meine Schwächen ausblende. Alles, was nicht in mein Selbstbild passt, wird weggeschoben. Ich halte mich für reflektiert, für leistungsfähig, für moralisch stabil – und merke nicht, wo ich anderen schade oder mich selbst unter Druck setze.

Lisa ist so ein Beispiel. Sie steht jeden Morgen um sechs auf. Proteinshake, Workout, Kalorien-App. Ihr Social-Media-Feed ist voll von „Perfect Body“-Reels, ihre Gedanken auch. Wenn die Waage ein paar Gramm mehr zeigt, kippt ihre Stimmung. Treffen mit Freunden sagt sie ab, weil „Cheat Meals“ nicht ins Konzept passen.

„Du wirkst müde“, sagt Jana vorsichtig. „Vielleicht übertreibst du’s.“

Lisa lächelt kühl. „Ihr versteht das nicht. Disziplin zahlt sich aus.“

Doch nachts liegt sie wach und zählt Schritte statt Schafe. Ihr Körper ist trainiert, aber ihr Lächeln selten geworden. Die Freunde sorgen sich. Lisa hört es – aber ihr Stolz ist lauter. Hilfe annehmen fühlt sich für sie wie Verlieren an.

Viele von uns zwischen 30 und 40 kennen diesen inneren Druck. Wir wollen gute Eltern sein, erfolgreich im Job, fit, informiert, engagiert. Wir optimieren uns – Körper, Karriere, Beziehungen. Und wenn jemand Kritik äußert, reagieren wir empfindlich. Schließlich haben wir doch alles im Griff. Oder?

Stolz funktioniert aber auch in die andere Richtung. „Ich bin eben ein schlechter Mensch. Da kann mir keiner helfen.“ Manche tragen dieses Urteil wie ein Schild vor sich her. Sie haben ihr eigenes Urteil gefällt – endgültig. Daran soll niemand rütteln. Gott schon gar nicht.

Auch das ist Stolz. Zu sagen: „Ich bleibe so, wie ich bin. Arm dran. Kaputt. Schicksal halt.“
Als wüssten wir besser als Gott, wer wir wirklich sind.

Stolz – ob nach oben oder nach unten – verschließt uns. Er verhindert, dass wir uns ehrlich anschauen. Dass wir Hilfe annehmen. Dass wir wachsen.

Was hilft gegen falschen Stolz?

Reden. Mit Gott. Mit Menschen, die es gut mit uns meinen.
Gott um einen klaren Blick bitten: „Zeig mir, wer ich wirklich bin.“

Die Bibel ist voll von Menschen mit Brüchen und Stärken, mit Mut und Versagen. Gott scheint kein starres Raster zu kennen. Jeder Mensch ist besonders – mit guten und schlechten Seiten. Vor Gottes Augen dürfen wir realistisch sein. Wir müssen uns weder größer noch kleiner machen.

Er ist barmherzig und freundlich. Er kennt uns besser als wir uns selbst – und liebt uns trotzdem. Oder gerade deshalb.

Vielleicht ist das der erste Schritt: den eigenen Stolz loszulassen und zu sagen:
„Gott, ich sehe nicht alles. Hilf du mir, klarer zu sehen.“

Denn ein ehrlicher Blick befreit. Und macht den Weg frei für ein gutes, echtes Leben.

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