Habsucht

Wenn „Ich will es haben“ unser Leben bestimmt

„Ich will es haben“ – dieser Satz begleitet uns von Anfang an. Beim Baby ist das ganz einfach: Was es haben will, steckt es in den Mund. Später kommen die Hände dazu. Eine unglaubliche Erweiterung der Möglichkeiten! Als Jugendliche ziehen wir die Welt mit unseren Fingern an uns – wir wischen, tippen, scrollen. Ein Smartphone genügt, und die Welt scheint in einem kleinen Kästchen verfügbar.

Diese Illusion ist attraktiv: Ich habe die Welt an meinen Fingerspitzen. Social Media wirken wie ein praktikabler Ersatz für echten Austausch. Vom Sofa aus ist alles erreichbar – Nachrichten, Bilder, Produkte, Menschen. Doch diese elektronische Variante von Habsucht schadet bereits vielen. Sie vereinzelt, verstärkt Einsamkeit und erzeugt das Gefühl, ständig etwas zu verpassen. Kein Wunder, dass aktuell darüber diskutiert wird, mit welchen gesetzlichen Mitteln wenigstens die schlimmsten Folgen für Kinder eingedämmt werden können.

Aber Gesetze allein reichen nicht. Habsucht ist mehr als ein gesellschaftliches Problem – sie ist eine geistliche Herausforderung. Sie sitzt tiefer. Sie betrifft unser Herz.

Die Illusion „Die Welt gehört mir“ prägt unsere Gesellschaft schon lange. Wir nutzen Ressourcen aus anderen Teilen der Erde zu geringen Kosten. Andere Menschen arbeiten für unseren Wohlstand – oft unter Bedingungen, die wir selbst niemals akzeptieren würden. Durch günstige Preise wächst unser Komfort.

Ein Beispiel ist Schokolade: Für uns ist es selbstverständlich, billige Süßwaren jederzeit im Supermarkt zu finden. Doch denken wir an die Bauern, an ihre Familien, an die Lebensbedingungen in den Anbauregionen? Unser „Ich will es haben“ blendet leicht aus, welche Folgen unser Konsum hat.

Und wir gehen nicht nur mit der Welt so um – sondern auch mit uns selbst. Wir nutzen unsere eigene Kraft aus, damit wir „mehr leisten“ können. Viel bekommen heißt oft: viel arbeiten. Karriere, Lifestyle, Sicherheit – all das fordert seinen Preis. Das Miteinander in Dorf und Stadt wird schwächer, weil wir uns um unseren eigenen Wohlstand kümmern müssen. Depressionen, Einsamkeit und sogar Gewalt nehmen zu. Unsere eigene Habsucht quetscht uns aus.

Vielleicht spüren viele zwischen 20 und 40 diesen Druck besonders stark: Aufbau von Beruf und Beziehung, finanzielle Verantwortung, Selbstverwirklichung – und gleichzeitig die ständige Vergleichbarkeit durch digitale Medien. Wer hat mehr erreicht? Wer reist weiter? Wer lebt „besser“?

Doch Habsucht verspricht Freiheit und schafft Abhängigkeit. Sie verspricht Fülle und erzeugt Leere.

Wir kommen da nicht allein heraus. Habsucht ist ein Übel, das spirituelle Hilfe braucht. Wir brauchen Gottes Hilfe. Wir dürfen ihn bitten, unser Herz zu verändern:

Herr, befreie mein Herz von der Habsucht, die mich gefangen nimmt und meine Gedanken verengt.
Lehre mich Zufriedenheit mit dem, was ich habe, und Dankbarkeit für deine Gaben.
Nimm mir die Angst, zu kurz zu kommen, und schenke mir Vertrauen in deine Fürsorge.
Öffne meine Hände zum Teilen und mein Herz zur Nächstenliebe.
Amen.

Aus diesem Vertrauen heraus können wir Schritte gehen:

  • Loslassen.
  • Abgeben.
  • Unsere Hände zum Guten öffnen.

Vielleicht beginnt Veränderung ganz klein – mit bewussterem Konsum, mit echter Begegnung statt digitalem Ersatz, mit Zeit für Menschen statt für den nächsten Kauf.

Habsucht sagt: „Halte fest.“
Gott sagt: „Vertraue und teile.“

Und in diesem Vertrauen liegt wahre Freiheit.

Nach oben scrollen