Mal was Neues machen – und dabei Spaß haben

30 Inspirationen für ein freiwilliges Engagement, das zu Ihnen passt und Spaß macht. Ganz gleich, ob Sie jede Woche Zeit haben oder nur hin und wieder

Warum sollte ich mich engagieren? Weil so viel zu tun ist!
Unbezahlt, aber notwendig ist zum Beispiel:

An Bächen Nistkästen für Eisvögel aufhängen, Kindern Schwimmen beibringen, mit Inhaftierten Schach spielen, Jugendliche im Heim besuchen, die nie Familienbesuch bekommen.

Mit all dem machen Sie einen Unterschied. Auch für sich selbst: Denn es kann sehr zufrieden machen, sich gesellschaftlich zu engagieren. Weil man etwas bewirkt. Weil man aus seiner Bubble rauskommt. Weil man Neues lernt. Weil man Gemeinschaft erlebt.

Kann ich das überhaupt?

Häufig sind Fähigkeiten gefragt, die Menschen von sich aus mitbringen, zum Beispiel Zuhören, Spielen, Vorlesen, Trösten, Geschichtenerzählen, einfach für andere da sein. Vielleicht gehen Sie gern spazieren? Viele Menschen wären glücklich, wenn mal jemand mit ihnen rausginge.

Was mit Spaß?

Ein Engagement sollte Spaß machen, sagt Rita Brechtmann vom Freiwilligen-Zentrum in Wiesbaden. Von manchen Interessierten hört sie als Erstes die Frage: „Wo ist die Not am größten?“ Nee, sagt Brechtmann dann, so kommen wir nicht weiter.
„Nur wenn es Ihnen Freude bringt, ist es nachhaltig. Es muss was zurückkommen. Deshalb möchte ich wissen: Was machen Sie gern? Woran haben Sie Spaß – an welchem Thema, an welcher Tätigkeit, am Umgang mit welchen Menschen?“

Wie finde ich raus, was zu mir passt?

Fragen, die man sich selbst stellen könnte: Möchte ich was machen, das ich schon kenne, etwa aus dem Beruf? Oder soll es etwas ganz anderes sein, etwas Neues? Eine Lehrerin sagt vielleicht: Ich steh den ganzen Tag vor einer Schulklasse, meine Worte sind aufgebraucht, ich möchte am liebsten was mit den Händen machen. Dagegen die Buchhalterin: Ich möchte gern das machen, was ich schon mache, denn Schatzmeisterinnen werden von Vereinen dringend gesucht. Ein anderer: Ich erfülle mir einen kleinen Traum, denn eigentlich wollte ich immer Buchhändler werden, jetzt helfe ich im Oxfam-Buch Shop mit.

Wichtig sind auch diese Fragen: Sollte es ein Engagement möglichst in der Nähe sein? Würde ich am liebsten von zu Hause aus was tun, digital? Wie viel Zeit wäre ich bereit, aufzubringen? Zwei Stunden die Woche oder lieber nur einmal im Monat?

Wer berät mich?

Es gibt mittlerweile über 400 Freiwilligenagenturen, die bei der Wahl eines Engagements beraten, zu finden über den Atlas der Freiwilligenagenturen: www.bagfa.de/agenturatlas. Meist sind auf deren Webseiten auch gleich Angebote eingestellt. Gibt es in einer Region keine Agentur, so hat doch mittlerweile jede Kommune eine Ansprechperson fürs Ehrenamt, die einem ein Stück weiterhelfen kann.

Lieber erst mal selbst suchen?

Die größte Plattform für die Engagementsuche ist die von „Aktion Mensch“: >www.engagement-plattform.de.

Man kann nach Tätigkeiten mit Kindern suchen, mit Tieren, im Bereich Kultur, Naturschutz, Demokratie, Tafeln, Sport … Im Suchmenü lässt sich voreinstellen, ob es ein kurzzeitiges Engagement sein soll – oder auch nur digital.

Oder Sie rufen bei den großen Organisationen an, etwa bei Diakonie, Caritas, Johannitern, Rotem Kreuz, Maltesern, Arbeitersamariterbund … Die Zentrale nennt Ihnen dann die Ansprechperson für Freiwilligenengagements. Sie können aber auch ums Eck die Kirchengemeinde fragen, das Altenheim, die Schule, die Kita, das Krankenhaus fragen: „Ich möchte mich engagieren, haben Sie Bedarf?“ Die Kita zum Beispiel könnte vielleicht eine Vorlesepatin brauchen.

Patenschaftsprojekte in der Nähe (ob für Kinder, Jugendliche oder Erwachsene) findet man auch über:

www.aktion-zusammen-wachsen.de/projekte/projektdatenbank

Bin ich nur eine billige Hilfskraft?

Hoffentlich nicht! Martina Kelm vom Freiwilligenzentrum Caleidoskop der Caritas in Stuttgart schärft den sozialen Einrichtungen, die Freiwillige einsetzen, ein: „Der Ehrenamtliche ist nicht euer Sklave. Ihr müsst auch was bieten: Anleitung, Einarbeitung, Gelegenheit zum Austausch, Dank … “ In vielen Organisationen gibt es mittlerweile Mindeststandards für den Umgang mit Freiwilligen. Dazu gehört, dass Engagierte sich über ihre Erlebnisse austauschen können – auch, um Überforderung zu vermeiden. Außerdem sollte man die Ideen der Freiwilligen wertschätzen. Denn wenig motivierend sind Sprüche wie dieser: „Danke für deine Idee, aber das haben wir schon immer anders gemacht.“ Und wenn eine Aufgabe schwer ist? „Dann muss das Team toll sein“, sagt Helena Radman von der Diakonie Hamburg.

Muss ich mich auf Dauer verpflichten?

Viele Menschen wollen maximale Freiheit in der Freizeit. Aber sie wollen sich auch engagieren. Ein Konflikt. Denn im sozialen Bereich geht es um Beziehungen, da braucht es meist eine gewisse Verlässlichkeit und Dauer. Manchmal löst sich das Problem erstaunlich schnell auf: durch Impulspatenschaften. Das neue Format entstand, als die vielen Geflüchteten kamen, damals hieß es „Ankommenspatenschaft“, erzählt Tobias Kemnitzer von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen. Die Regel: Man trifft sich dreimal, geht zum Beispiel mal in die Stadtbücherei, mal Kaffee trinken, führt durchs Stadtviertel – und dann ist es vorbei. Tatsächlich ist es selten vorbei. Denn wenn Menschen eine konkrete Person kennengelernt haben, seien sie viel eher bereit, sich zu verpflichten. Heute nennt sich das Angebot „Impulspatenschaft“, das bieten einige Freiwilligenagenturen an. Und wenn es doch mal bei den drei Treffen bleiben sollte, muss sich niemand blöd fühlen.

Darf ich das ausprobieren?

Eine Schnupperphase von zum Beispiel vier Wochen lässt sich oft organisieren, sagt Beraterin Martina Kelm bei der Caritas in Stuttgart. Nur bei Menschen mit geistiger Behinderung gehe das nicht, sie würden leicht aus dem Gleichgewicht geraten, wenn eine Beziehung plötzlich wieder ende. Sie fragt nach ein paar Wochen bei den Freiwilligen nach, ob sie gut im Engagement angekommen sind, und noch mal nach ein paar Monaten. Wenn die Freiwilligen nicht mehr aktiv sind, fragt sie: Worin hing es? Sollen wir noch mal was anderes probieren?

Nur hin und wieder – ist das okay?

Es gibt viele Tätigkeiten, die nicht jede Woche sein müssen, sondern zum Beispiel einmal im Monat. Als „Amt-Buddy“ kann man Eingewanderte oder Geflüchtete zu Ämtern begleiten, im offenen Jugendtreff könnte man alle zwei Wochen mit Jugendlichen backen, Out Door was erleben, handwerken … Auch die Bachpatenschaft erfordert nur gelegentliches Müllaufsammeln.

Gibt’s auch ganz kurze Einsätze?

Ja! Häufig werden Leute sogar nur für ein paar Stunden gesucht: dass sie beim Sommerfest des Seniorenheims oder der Kirchengemeinde Gartenstühle aufstellen, Waffeln backen, die Malstation betreuen. Oder die gespendeten Weihnachtsgeschenke sortieren und verpacken – Socken für Obdachlose, Spielsachen für Kinder.

Immer mehr Freiwilligenagenturen bieten solche kurzzeitigen Engagements, die Diakonie Hamburg zum Beispiel schickt ihren Newsletter „Kurz+ Gut“ an 1400 Interessierte. Denen gefällt auch, dass sie dabei in unterschiedliche Einrichtungen reinschnuppern können. Manchmal ist das die Tür zu einem regelmäßigen Engagement.

Lust auf eine 1:1-Patenschaft?

Bei vielen Freiwilligen sind Patenschaften beliebt – auch weil man schnell eine Wirkung seines Engagements sehe, sagt Rita Brechtmann, die im Freiwilligen-Zentrum Wiesbaden die Fachstelle Mentoring leitet. Ein Einstieg könnte eine Lesepatenschaft an der Grundschule sein, die ist niedrigschwellig mit einer Stunde in der Woche. Bewegungspaten und -patinnen machen wöchentlich 45 Minuten lang Übungen mit alten Menschen zu Hause. Anspruchsvoller: junge Menschen durch eine Ausbildung zu begleiten.

Brechtmann fragt am Anfang: Gibt es Themen, für die Sie brennen? Das ist bei dem einen vielleicht Bildung, die andere möchte einen Punkt gegen Einsamkeit setzen. So überlegt man sich voran: Welche Menschen – Kinder, Jugendliche, Geflüchtete …? Welche Tätigkeiten? Wie viel Zeit haben Sie, wie ist Ihr Stresslevel?

Voraussetzung für alle Patenschaften: Man muss beziehungsfähig sein. Und man sollte nicht bewerten, was der andere tut“, sagt die Beraterin.

„Ich kann den Menschen unterstützen und begleiten und beraten, aber ich bevormunde nicht, und ich greife nicht in das Leben ein. Auch die Kinder, die wir begleiten, haben Eltern, die für sie entscheiden.“

Und wenn man scheitert?

„Was bedeutet denn Scheitern im Ehrenamt?“, fragt Rita Brechtmann zurück: „Man probiert etwas aus, und wenn es nicht passt, tut man etwas anderes.“ Und meist passe es, denn die Koordinatorinnen, die die Paare zusammenstellen, seien sehr erfahren. In manchen Organisationen gibt es regelmäßige Supervision für Gruppen – also begleitetes Nachdenken über das, was man da tut und erlebt. Brechtmann rät, eine Patenschaft unbedingt auszuprobieren: „Es ist ein Eintauchen in andere Lebenswelten, es ist nicht lebenslang, es kommt in jedem Fall etwas zurück!“

Was mit Bewegung?

Sportvereine können nur deswegen kostengünstig Sport für alle anbieten, weil so viele Ehrenamtliche mitarbeiten – als Übungsleiter, als Trainerinnen, als Vereinsvorstand. Die Zahl der Mitglieder steigt, die Zahl der Ehrenamtlichen aber nicht. Es werden also dringend mehr Leute gebraucht. Und immer mehr Sportvereine bemühten sich um eine „Engagement-freundliche Organisationskultur“, erzählt Anja Beutel vom Landessportbund Sachsen-Anhalt. Dazu gehört: offen für Frauen mit Kindern sein – also keine Sitzungen abends, wenn die Kinder zu Bett gehen; Interessierte heranziehen, auch ganz junge, ihnen einen Mentor, eine Mentorin geben, dass sie erst einmal ohne Stress „mitlaufen“, kleinere Aufgaben übernehmen. Auch wichtig: Vorstandsarbeit auf mehrere Schultern verteilen oder im Tandem Sportgruppen anleiten. Man kann auch auf einen Sportverein zugehen: Hier, ich interessiere mich für – beispielsweise – Frauenfußball und würde mich qualifizieren.

Muss ich fit sein?

„Nö“, sagt Anja Beutel vom Landessportbund in Halle (Saale), persönliche Fitness wäre gut, sei aber nicht zwingend. „Ich kann die Volleyballgruppe erst mal zehn Runden laufen lassen, da muss ich nicht mit“, sie ist selbst Volleyballtrainerin. Sicher, bei einer Aerobic-Gruppe sollte man schon eine Stunde durchhalten oder bei Yoga selbst was zeigen können. Aber für Seniorengymnastik oder Kindersport sei man mit der Übungsleiterausbildung schon gut aufgestellt.

Am liebsten von zu Hause aus digital engagiert?

Manche Menschen möchten sich lieber von zu Hause aus engagieren. Es gibt auch digital viel zu tun! Man kann bei www.wheelmap.org eintragen, ob die Geschäfte, Arztpraxen, Cafés in der Gegend für Menschen im Rollstuhl geeignet sind oder nicht. Oder man entziffert handschriftliche Opferkarteikarten aus Konzentrationslagern, um sie zu digitalisieren; die Aktion heißt #everynamecounts. Man unterstützt online Schüler und Schülerinnen, die sich keine Nachhilfe leisten können. Oder betreut für Vereine die Website und Social Media, das kann man auch im Tandem machen. Auf der Engagement Plattform von „Aktion Mensch“ findet man unter „Digitales Engagement“ viele Angebote.

Unbedingt was mit Kindern machen?

Gut so! Denn da ist ein riesiger Bedarf. In einer großen Befragung von Grundschulkindern in NRW und Niedersachsen kam heraus: Jedes dritte Kind kann keine einzige erwachsene Person in der Schule nennen, der es wichtig ist. Dabei weiß die Wissenschaft: Je mehr unterstützende Beziehungen Kinder zu Erwachsenen haben, desto optimistischer sind sie, sagt der Sozialwissenschaftler Klaus Peter Strohmeier. Er hofft, dass viele aus der Babyboomer-Generation, die jetzt und in den nächsten Jahren in Rente geht, sich für Kinder engagieren – zum Beispiel als Mithelfende im Unterricht oder in der Nachmittagsbetreuung.

Keine Ahnung von Kindern? Macht nichts.

Hauptsache, man mag Kinder und hat Geduld mit ihnen. Die Freiwilligenberaterin Martina Kelm in Stuttgart vermittelt solche Menschen gern in Gruppenangebote, zum Beispiel in Geflüchtetenunterkünfte der Caritas – dort wird vormittags mit den Drei- bis Sechsjährigen gespielt, nachmittags mit den Grundschulkindern gelernt. „Guckt euch das mal an“, sagt Kelm zu den Interessierten, „das ist Erleben von Kindern pur.“

Führungszeugnis – wo krieg ich das her?

Menschen, die sich im Sport, bei Rettungsdiensten, für Kinder und Jugendliche engagieren wollen, werden oft um das Vorlegen eines Führungszeugnisses gebeten, also um den Nachweis, dass sie nicht vorbestraft sind. Vermerkt werden aber nur Verurteilungen ab einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen oder ab einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten.

Wer mit besonders verletzlichen Gruppen zu tun hat, etwa Kindern oder Menschen mit Behinderung, wird um das „erweiterte Führungszeugnis“ gebeten. Darin werden auch Sexualdelikte aufgeführt, die mit geringeren Strafen verurteilt worden sind.

Die Organisation, bei der man tätig werden möchte, gibt den Freiwilligen eine Bestätigung mit, dass ein Führungszeugnis vorgelegt werden muss. Damit kann man das Zeugnis kostenlos beantragen, etwa im Rathaus. Klingt umständlich, ist aber einfach.

Formulare sind mein Ding!

Jobcenter-Anträge sind eine Herausforderung. Mancherorts helfen dabei unerschrockene Ehrenamtliche. Manche Menschen brauchen auch eine Mut machende Begleitung, um ihre Poststapel zu öffnen. Wo es so ein Angebot noch nicht gibt: selbst gründen. Vielleicht zusammen mit der Diakonie?

Kann ich mich mit meinem Hund nützlich machen?

Die Begegnung mit Tieren kann Menschen glücklich machen. Deshalb bieten zum Beispiel der Malteser-Hilfsdienst und der Arbeitersamariterbund Besuche mit Hunden an – etwa im Kindergarten oder im Pflege-heim. Wer einen Hund hat, der sich von fremden Menschen anfassen (und bürsten) lässt und einen Grundgehorsam hat, kann beim Besuchshundedienst mitmachen. Vor dem ersten Einsatz gibt es eine Schulung, um die Überforderung des Hundes und die Gefährdung der Besuchten zu vermeiden. Der Bedarf ist groß.

Erst mal was lernen?

Manche Ehrenämter setzen eine längere Schulung voraus. Wer Kindern Schwimmen beibringen will oder Erwachsene bei der Rückengymnastik anleiten möchte, braucht eine Übungsleiterschulung. Die dauert 120 Lerneinheiten a 45 Minuten. Man kann aber auch erst mal kurze Schnupperfortbildungen machen. Die Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleitung von Sterbenden in ihrem Zuhause dauert beispielweise 100 Stunden plus Praktikum. Man lernt dabei auch viel über sich selbst, reflektiert zum Beispiel eigene Verlusterfahrungen. Für die Telefonseelsorge braucht man 150 Stunden Ausbildung – gut die Hälfte davon ist Selbsterfahrung in der Gruppe. Dass man fürs Mithelfen im Rettungsdienst und Katastrophen-schutz oder für die Notfallseelsorge einiges lernen muss, ist eh klar. Man kann sich zum Beispiel engagieren bei den Johannitern, der evangelischen Hilfsorganisation.

Darf ich selbst was auf die Beine stellen?

Das ist sogar hocherwünscht! Und die Freiwilligenagenturen beraten ausdrücklich dazu. Sie verstehen sich als Labore für Lösungen, die unsere Gesellschaft dringend braucht. Entweder man baut was Neues auf am ei-genen Ort, weil man da einen Mangel wahrnimmt, und sammelt weitere Engagierte – so haben sich zum Beispiel die Unterstützergruppen für Geflüchtete gebildet. Oder man bietet innerhalb einer bestehenden Organisation etwas Neues an – einen Salsa-Workshop im Jugendhaus oder im Seniorentreff beispielsweise.

Gibt’s auch was mit Mathe?

Ja, es gibt an einigen Orten Mathepatenschaften. Die Paten und Patinnen gehen während der Stillarbeitsphasen im Unterricht herum und schauen, welches Grundschul-kind Unterstützung braucht; oder sie sitzen in einem anderen Raum mit einzelnen Kindern. Die Kinder seien sehr dankbar, wenn sich jemand 20 Minuten nur ihnen widme, erzählt Regina von Graevemeyer, die in Hannover das Projekt Mathepaten organisiert. Wer zwei Stunden in der Woche vormittags erübrigen kann, ist dabei. Zuvor lernen die Ehrenamtlichen (die in Hannover sind zwischen 20 und 75 Jahre) zum Beispiel, wie man durch gezielte Fragen herausfindet, wo die Schwierigkeiten eines Kindes liegen, und dass man ein Kind um Erlaubnis fragt, bevor man in seinem Schulranzen nach dem Radiergummi fahndet.

Und wenn ich erfolglos bin?

Natürlich sollte mir mein Engagement überwiegend Freude machen, auch wenn es mal anstrengend ist. Aber manchmal hat man sich ein unrealistisches Ziel gesetzt. Oder man definiert „Erfolg“ falsch. Renate Volk, Leiterin der Freiwilligenagentur Tatendrang in München, sagt: „Lernerfolg ist nicht, dass Kinder besser lesen können, sondern dass sie aufblühen, ins Reden kommen, selbstbewusster werden, sich wichtig fühlen. Das könnte auch bei anderen Menschen das Wertvolle sein. Auch wenn keine Leistungssteigerung zu sehen ist.“ Man solle nicht unterschätzen, was die Beziehung mit den Menschen macht. Dass die engagierte Person nicht bezahlt ist wie Lehrer oder Sozialarbeiterin, sondern kommt, weil ihr dieser Mensch wichtig ist.

Wenn es zu viel Not ist?

Wer sich engagiert, kommt häufig in Kontakt mit Menschen in schweren Lebenslagen. „Aber Sie als einzelner Mensch können diese Lücken nicht füllen, Sie können nur einen Part übernehmen“, sagt Renate Volk von der Freiwilligenagentur Tatendrang. „Sie sind nicht die Retterin – und trotzdem wichtig.“

Darf es mir gut gehen, auch wenn da viel Not ist? Natürlich, schon weil man ohne Selbstfürsorge anderen nicht gut helfen kann.

Sie finden sich in Krankenhäusern zurecht?

Krankenhäuser können beängstigend sein – das Herumirren auf den Fluren auf der Suche nach dem richtigen Untersuchungszimmer, die Stunden voller Angst vor einer Operation … Wie schön, wenn es wie im Marienhospital in Stuttgart Leute gibt, die sich der Menschen annehmen. Allein 80 Ehrenamtliche begleiten zum Röntgen und anderen Untersuchungen – und haben dabei natürlich auch ein offenes Ohr. Besuche auf den Zimmern leisten die „Grünen Damen und Herren“ (so genannt wegen ihres meist grünen, heute auch oft türkisen Kittels). Die gibt es bundesweit in vielen Krankenhäusern.

Und wenn ich kein Geld habe?

Je geringer das monatliche Nettoeinkommen, umso weniger Menschen engagieren sich ehrenamtlich. Das fand jüngst der Vierte Engagementbericht im Auftrag der Bundesregierung heraus. Oft ist kein Auto da, und der ÖPNV ist zu teuer. Auch wenn die meisten Organisationen ihren Ehrenamtlichen mittlerweile Fahrtkosten ersetzen, es ist nicht überall so. Ein weiterer Hinderungsgrund für ein Engagement sind die „verdeckten Geselligkeitskosten“ – wenn sich eine Gruppe zur Besprechung in einer Gaststätte trifft und man ein Getränk bestellen muss. Gut, wenn es Ansprechpersonen für Kostenerstattung gibt, an die man sich unauffällig wenden kann, ohne beschämt zu werden. Das ist im Kommen!

Lust auf Enkel?

Wunschgroßeltern werden händeringend gesucht. „Wir kriegen niemals so viele Omas und Opas, wie wir brauchen“, sagt Gerhard Berndt, Vorstand im Verein „Großeltern stiften Zukunft“ in Nürnberg. 40 Wunsch großeltern sind zurzeit engagiert, darunter auch kinderlose Alleinstehende oder Leute, deren eigene Enkel weit weg wohnen. Gleichzeitig suchen 70 Familien jemanden. Das . sind Familien, bei denen die biologischen Großeltern zum Beispiel weit entfernt leben, krank sind oder gestorben. Die sich wünschen, dass die Kinder auch ältere Menschen als Bezugspersonen haben. Das Projekt „Enkel dich jung“ in Wiesbaden musste eingestellt werden, weil sich nicht genügend Menschen der Großelterngeneration (also ab etwa 50) bereitfanden. Die sind heute in anderen Ehrenamts- und Freizeitbereichen unterwegs. Dabei steigt die Nachfrage.

Muss ich als Leihoma Großes unternehmen?

Nein. Wenn es Ihnen mehr liegt, zu Hause am Tisch ein Spiel zu spielen, zu malen, vorzulesen, was zu kochen oder zu backen – alles gut, wenn das allen Beteiligten Freude macht. „Sie müssen nicht denken, dass Sie jede Woche in den Zoo gehen’\ sagt Denise Rose vom „Großelterndienst“ der Diakonie in Hannover. „Das Highlight kann schon der Spielplatz sein. Oder die Stadtbibliothek.“ Eine Ehrenamtliche habe mit dem Kind per Rad alle Spielplätze im Umfeld erkundet. Übrigens sollen Leihgroßeltern ausdrücklich kein Ersatz für bezahlte Babysitterdienste sein. Zeitlich ist vieles denkbar, von zweimal wöchentlich bis (bei größeren Kindern) einmal monatlich.

Was, so was gibt’s auch?

Zufallsfunde: Das DRK in Frankfurt am Main (und sicher nicht nur dort) sucht Menschen, die bei Krankenhaus-Großeinsatzübungen Verletzte darstellen, lebensecht geschminkt.

Gesucht werden auch Menschen, die das hohe Gras auf Streuobstwiesen sensen.

Die Wanderwege freihalten.

Die Kirchen hüten, damit sie geöffnet sein können, zum Beispiel für Reisende.

Die in Taubenhäusern die Tränken auffüllen und die Eier austauschen.

Text: Christine Holch

Christine Holch war bis eben chrismon-Chefreporterin, jetzt ist sie in Rente und hat sich schon mal gleich einen Strauß von Engagements besorgt.

Der Artikel ist aus dem Chrismon Magazin vom 2.2.2026

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